20

Die Sakristei

Die Sakristei entstand während der Renovierung des Gebäudes in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Ein großer, gut organisierter Vorbereitungsraum für die Gottesdienste der Kirche San Sebastiano, der noch heute seinen Zweck erfüllt.

Nachdem die ehemalige Sakristei bei einem Brand zerstört wurde, war der Bau um 1730 nötig und begann zeitgleich mit dem der Ratskammer. Die Einrichtung des Raumes, der ursprünglichen Sakristei nachempfunden, erfüllt funktionelle und liturgische Kriterien im Rahmen der tridentinischen Bestimmungen aus der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts. Der große Kleiderschrank aus geschnitztem Nussbaumholz, dient der Lagerung von liturgischen Gegenständen und Gewändern und ist noch immer so prachtvoll wie damals. Die beiden großen Beichtstühle für "Taube", in den Ecken des Raumes, sind nicht nur ein seltenes und kurioses Testament der Einrichtung dieser Sakristei, sondern erinnern auch an den starken Fokus auf soziale Themen, denen sich die Bruderschaft bereits zu dieser Zeit stellt. 

Die am Ende des 17. Jahrhunderts begonnene allgemeine Renovierung der Kirche von San Sebastiano betraf ab 1730 auch die Sakristei, als der Rat der Bruderschaft ihre Errichtung festsetzte. Während der Arbeiten rund um den Chor wurde dem Bau neben dem Presbyterium ein neuer, zweistöckiger Teil hinzugefügt: die Dokumente von 1731 sprechen über einen „Eingang in der Sakristei“ in Bezug auf dem niedrigen Raum, und einen Bau der Treppe aus Stein, um in den höher liegenden Ratssaal zu treten. Der Raum, dessen originale Dekoration mit hellen Farben, Rahmen und Dekorleisten aus Kitt wiederhergestellt wurde, hat noch heute seine originale viereckige Form mit einer Decke mit gekreuzten Bögen und drei großen Fenstern. Die Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert besteht aus zwei großen Schränken für die Aufbewahrung der Reliquien und zwei originalen Beichtstühlen für die Tauben, die eine breite innere Struktur mit zwei Stühlen haben und sich mit einer Tür schließen lassen, so dass man das eigene Bekenntnis laut machen kann. Dies ist einer der seltenen Beweise der besonderen Beichtstühle, die vom Konzil von Trient vorgesehen waren und die von der Aufmerksamkeit der Kirche für Behinderte zeugen. 

 

Die Verwendung von Beichtstühlen in religiösen Bauwerken verbreitete sich eher spät und San Carlo Borromeo gab in Kapitel 23 seines Buches Instructionum fabricae et suppellectilis ecclesiasticae libri duo von 1577 genaue Instruktionen für ihre Struktur: der Beichtstuhl sollte die notwendige Vertraulichkeit während der Aussöhnung bieten und durch eine Tür geschlossen werden können, so dass „wenn der Beichtvater nicht da ist, keine Laien, Vagabunden oder schmutzigen Leute dort sitzen bzw. müßig schlafen ohne Respekt für das Ministerium, das im Beichtstuhl ausgeübt wird“. In der Sakristei, die noch heute ihre Aufgabe für den Kultus aufrechterhält, befinden sich einige wertvolle Reliquiaren und Silberwaren der Bruderschaft, sowie ein Gemälde mit San Giovanni Battista, San Francesco und einem heiligen Bischof, die das Grabtuch stützen, ein Beweis ihres Weges und der Frömmigkeit, die es in den Tälern von Cuneo hervorrief. 

 

Strahlenförmige monstranz

Piemontesischer silberschmied, Strahlenförmige monstranz (18. Jahrhundert) |Cuneo, Bruderschaft von San Giacomo und San Sebastiano

Das Werk ist ein typisches Beispiel einer strahlenförmigen Monstranz mit einem deutlichen Bezug zur Identifikation der Eucharistie mit der Sonne nach dem biblischen Vers „In sole posuit tabernaculum suum“ („Er begründete seinen Platz an der Sonne“, Psalm 18). Der Sammelpunkt ist ein Behälter aus Glas mit Strahlen von verschiedenen Formen und Größen; der Kern und der Fuß des Gegenstandes haben unregelmäßige Umrisse mit gebrochenen Strichen, die am Rand durch Reliefmuster mit Voluten, Obstgirlanden und geflügelten Figuren reich ausgeschmückt sind. Sie wurde eigens für diese Kirche kreiert, wie die getriebenen Medaillons auf der Basis zeigen, die die wichtigsten Heiligen dieses Ortes (die Madonna del Carmine und San Sebastiano) sowie auch San Giovanni Battista darstellen. Wie gewöhnlich gibt es auf dem Strahlenkranz Symbole der Eucharistie: Weintrauben und Kornähren. Die leider nicht lesbare Punzen auf der Basis erklären die Herstellung aus Silber. 

Die Silberwaren

Die meisten kirchlichen Einrichtungsgegenstände sind aus Silber. Die Punze (ein kleines, auf die Oberfläche des Metalls geprägte Brandzeichen) bezeichnet die Qualität des Metalls, die Herkunftsmünzstätte und manchmal auch den Silberschmied. Es gibt verschiedene Techniken, mit denen das Metall bearbeitet wird: das Schmelzen, die Treibarbeit, die Ziselierung, die Gravierung mit einer Nadel. Die wertvollsten Gegenstände, wie die Becher  für den Wein während der Eucharistie, sind vergoldet.