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Ratssaal

Die Ratskammer (Consegliarìa) wurde während umfassender Renovierungen des gesamten Gebäudes in den frühen dreißiger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts gebaut. Für etwa 200 Jahre traf sich die Bruderschaft des Heiligen Sebastian hier, um wichtige Entscheidungen zu treffen und enge Verbindungen mit der Gemeinde und den Bürgern zu knüpfen.

Heute erstrahlt der Raum wieder in seinem ursprünglichen Aussehen, nachdem er für eine lange Zeit dem Verfall überlassen und durch die Versickerung von Regenwasser stark beschädigt wurde. Der Raum spiegelt in seiner Schlichtheit den Geschmack des bürgerlichen neunzehnten Jahrhunderts wider: der lange Tisch in der Mitte des Raumes, der Kamin, der große Schrank aus Nussholz für die Akten, Bücher und Aufzeichnungen der Bruderschaft. Die Bilder an den Wänden, von denen einige Porträts wohltätige Brüder  darstellen, geben dem Raum eine fast häusliche Atmosphäre und sind die Jahrhunderte über intakt geblieben. Jahrhunderte, in denen sich die Opera Scotto-Chiabrand an diesem Ort versammelt hat, durch die Großzügigkeit der beiden großen Wohltäter der Bruderschaft gegründet, die durch großzügige Spenden die Fürsorge für die Armen und Waisen sicherstellten und sich somit aktiv am religiösen und sozialen Fortschritt der Stadt beteiligten. Im Dezember 1901 fand hier das letzte große Treffen der drei Bruderschaften der Stadt statt. 

Bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts versammelte sich der Rat der Bruderschaft in diesem Saal. Am 31. April 1730 hatte der Rat der Bruderschaft von San Sebastiano den Bau einer neuen Sakristei […] aber auch eines Ratssaals beschlossen, wo man Schriften sicher aufbewahren kann“. Im darauffolgenden Jahr begannen die Bauarbeiten, die auch eine wesentliche Erneuerung des Chors mit einschlossen und die ins nächste Jahrzehnt andauerten: der Ratsaal wurde über die Sakristei gebaut und man konnte ihn über eine Treppe aus Stein betreten, die schon 1731 gebaut worden war. Wie vorgesehen wurde der Saal sowohl für die Ratsversammlungen der Bruderschaft als auch als Archiv genutzt; letzteres noch bis vor kurzem. Eine allgemeine Vernachlässigung des Gebäudes hatte einen deutlichen Zerfall des Saals zur Folge, hauptsächlich wegen der Infiltration von Regenwasser seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, die die Decke und die Möbel sehr beschädigte. Seit 2001 haben Renovierungsarbeiten erlaubt, das originelle Aussehen des Saals im 19. Jahrhundert zurückzugewinnen. 

Der Raum hat einen einfachen Boden aus Tonfliesen und eine linierte Tapete mit weißen und blauen Blumen, die die Farben der Decke wiederaufnehmen. Eben diese ist mit einem aufgesetzten Kranzgesims und Grisaille-Medaillons verziert in die sich Pfeilen und Köcher als ikonographische Symbole von San Sebastiano einfügen. Die dem bürgerlichen Zeitgeist entsprechende Ausstattung schafft eine vertraute und fast häusliche Atmosphäre, mit den breiten Sesseln aus Leder in Viktorianischem Stil und dem massiven Nussholz Schrank an der Eingangswand, in dem sich die Dokumente des Archivs befinden. An der hinteren Wand, neben dem großen Kachelofen befindet sich ein weiterer Bezug auf die Pfeile von San Sebastiano in der Tür des Kamins. Unter den Einrichtungsgegenständen findet man Glasglocken mit Blumen, ein anderes typisches Element der Ausstattung des 19. Jahrhunderts. Im Raum befinden sich die originelle Möbel und auf dem Kamin und in der gemalten Dekoration sind die gekreuzten Pfeile noch sichtbar, ein deutlicher Bezug auf das Martyrium von San Sebastiano und Symbol der gleichnamigen Bruderschaft. In diesem Raum finden sich Porträts von Personen, die als Wohltäter der Bruderschaft gelten. Über Jahrhunderte fanden hier auch die Versammlungen der wohltätigen Stiftung Scotto-Chiabrant statt, die unter anderem vorsah, 12 Arme für die Stadtprozession von San Michele einzukleiden und „zwei jährliche Mitgiften, je 120 Lire, für zwei armen ledige Frauen“ auszuzahlen. Am 23. Dezember 1901 gab es die letzte wichtige Versammlung der drei großen Stadtbruderschaften: San Sebastiano, Santa Croce und della Misericordia, die gerade eine Jahrhundert voller Sorgen und Abschaffungen überstanden hatten. 1925 löst sich die Misericordia auf, doch die Bruderschaften von San Sebastiano und Santa Croce existieren noch heute. 

 

Die Stiftung Scotto-Chiabrant

Das 1727 von Herrn Chiabrant verfasste Testament und das von Herrn Scotto von 1656 gaben der Bruderschaft von San Sebastiano erhebliche Schätze mit spezifischen barmherzigen Zwecken. Dank dieser Wohltäter wurden für etwa drei Jahrhunderte jedes Jahr sechs Mädchen in heiratsfähigem Alter unter den von den örtlichen Pfarrern genannten Namen ausgelost, denen eine Mitgift gegeben wurde (um ihnen die Möglichkeit zu geben, einen Ehemann zu finden) und mit der gleichen Methode kleidete man 12 Arme ein. Die Auslosungen, die in den überlieferten Dokumenten sorgfältig protokolliert wurden, fanden in dem Ratssaal statt und wurden dann am  Altar der Madonna del Carmine veröffentlicht. Noch heute befinden sich im Saal die Porträts der zwei Wohltäter. Alle Begünstigten nahmen an dem Fürbittengebet für die Testatoren und an der Prozession zu Ehren von San Michele teil. Die Stiftung, wie Hunderte ähnliche, wurde durch den napoleonischen Sturm und dann auch savoyische Gesetze abgeschafft und ihr Reichtum ging an die öffentliche Hand.