16

Diözese Saal

Am 12. August 1809 kommt Papst Pius VII als Gefangener von Napoleons Soldaten nach Cuneo, wo er knapp 8 Jahre später – am 17. Juli 1817 – die bereits seit Jahrhunderten ersehnte Gründung der Diözese verkündet.

Bereits im 15. Jahrhundert gab es den ersten Versuch, die Diözese Cuneo zu gründen. Seit 1803 ist Cuneo Hauptstadt des Dipartimento della Stura und Sitz des Bischofs, der Kapitel und des Seminars von Mondovì. Der Aufenthalt von Papst Pius VII im Jahre 1809, der einzige Papst der je die Stadt besuchte, ist entscheidend in dieser Angelegenheit. Nach dem Sturz Napoleons, erinnert sich der Papst daran, wie er in Cuneo empfangen wurde und spricht sich somit für die Gründung der neuen Diözese in Cuneo aus, was im Jahr 1817 durch die päpstliche Bulle Beati Petri Apostolorum Principis erfolgt. Die Wahl des Bischofs, wofür der König zuständig ist, fällt auf Amedeo Bruno Samone. Auf Vorschlag des Bischofs wählt der Stadtrat am 23. Dezember 1826 den Erzengel Sankt Michael als Patron der Stadt und der Diözese. In der gleichen Bulle wird der Heilige Angelo Carletti als Beschützer und Verteidiger der Stadt gewählt. 

In der Nacht vom 5. auf den 6. Juli 1809 brach General Miollis um 3 Uhr morgens den Palast Quirinale auf und verhaftete Pio VII, nach der hartnäckigen Ablehnung des Papstes, die Exkommunikation Napoleons zu annullieren und auf die weltliche Macht zu verzichten. Der fiebernde Pontifex wurde mit dem Staatssekretär Kardinal Pacca in einer Kutsche zuerst nach Florenz und dann nach Genua, Alessandria und Rivoli fortgeschafft. Über den Pass Moncenisio wurde er nach Grenoble gebracht, wo er von Kardinal Pacca getrennt wurde und über Valence und Nizza nach Italien zurückkehrte. Nachdem der Konvoi das Tal Roja durchquert hatte, fuhr er am 12. August 1809 wieder ab, erreichte gegen 17.30 Uhr die Burg San Dalmazzo und kehrte in der Nacht nach Cuneo zurück: am Stadttor von Nizza (dem heutigen Piazza Galimberti) erwartete ihn der Marquis von Cuneo, Graf Filippo Lovera di Maria, der dem Pontifex Gastfreundschaft im Palast seiner Familie, in der Contrada Maestra, anbot. Gegen 20 Uhr segnete der Papst die Menge, die sich unter dem Balkon versammelt hatte; dann gab es ein Feuerwerk, das für den folgenden Tag für dem Feiertag des Heiligen Angelo Carletti aus Chivasso vorgesehen war und zu Ehren des Papstes vorgezogen wurde; um 21 Uhr nahm der Papst ein leichtes Fischgericht im ersten Gasthaus der Stadt zu sich. Am Sonntag den 13. August assistierte der Papst bei der Messe von Monsignore Doria Pamphilj im großen Saal des Palasts und segnete zum dritten Mal das Volk, das immer zahlreicher aus den nahegelegenen Dörfern kam. 

Nach einem kurzen Halt bei dem alten und kranken Graf Bruno di Tournafort fuhr der Konvoi in Richtung Mondovì ab und hielt in Rocca de’ Baldi, wo der Pontifex bei dem Notar Carlo Prandi zu Mittag aß. In Mondovì blieb Pio VII für fünf Tage und war Gast des Maire Fauzone di Germagnano. Am 16. August überquerte Pio VII auf einer Trage den Pass von Cadibona und kam dann in Savona an, wo er  etwa fünf Jahre gefangen gehalten wurde. 

 

Episoden des lebens von Pio VII

Ligurischer und Toskanischer Bereich, Episoden des lebens von Pio VII (erstes viertel des 19. Jahrhunderts) | Cuneo, Kathedrale von Santa Maria del bosco

Trotz des Verbots von Napoleon Bilder und Schriftstücke über den Papst in Umlauf zu bringen, malten einige Maler aus Savona „heimliche“ Porträts von Pio VII während der seltenen und flüchtigen Begegnungen und leiteten eine sehr verbreitete Ikonographie ein. So gab es Bilder des Papstes auf jeden Art von Material, sowie Gravierungen und Karten mit Episoden aus seinem Leben. Die Sammeldrucke, wozu die ausgestellten zählen, verbreiteten sich auf der ganzen Halbinsel. Die auf der Halbinsel verbreiteten Gravierungen sind hauptsächlich von Künstlern aus dem toskanischen Gebiet. Offensichtlich wurden sie bestellt, um die Nachfrage der Gläubigen von Pio VII zu befriedigen und seine außergewöhnliche Figur hervorzuheben. Die erzählten Ereignisse betreffen viele Episoden mit Pathos und einmaligen Tatsachen seiner Geschichte (wie die Ekstase des Pontifex während des Gebets oder die Erscheinung eines Engels). Sie sind wie ein Kreuzweg, dessen Hauptdarsteller die leidende Figur des Papstes ist. In den Szenen unterstreicht man immer die Verehrung des Volkes für ihn und die besten Qualitäten von Pio VII, wie seine Entschiedenheit, die Strenge seiner Taten, die Schicklichkeit und die Vergebung während der langen und harten Gefangenschaft. Alle Bilder sind mit den Namen der Zeichner und der Graveure und einer kurzen und poetischen Beschreibung der dargestellten Episode versehen. 

Gravur

Die Gravur ist eine Technik, die durch Abtragung bzw. durch Relief geschafft werden kann. Es handelt sich um eine Abtragung, wenn eine Matrize aus Metall mit Instrumenten wie einer Graviernadel, Stichel, Kaltnadelradierung bzw. mit Säuren (Radierung, Aquatinta) eingeschnitten wird. Die Tinte dringt in den Rillen ein, die mit den Instrumenten bzw. der Säure gebildet werden. Der Druck aufs Papier drückt eine Spur auf die Matrize ein. Es ist in Relief, wenn die Matrize in Hochrelief behauen wird. Wenn die Unterlage aus Holz ist, dann ist es eine Xylographie. 

Kelch

Ignazio Ravizza, kelch (zweite hälfte des 18. Jahrhunderts) | getriebenes, ziseliertes, vergoldetes silber

Der Kelch kam auf einem ungewöhnlichen Weg zur Kathedrale von Cuneo, den man teilweise dank der Inschrift auf dem Fuß rekonstruieren kann: „CANONICUS CAELESTINUS DE ASTE AD USUM SUMMI PONTIFICIS PII PAPAE SEPTIMI TAURINI DIE 25 ET 26 APRILIS 1805 DEDIT“. Im April 1805 kam Pio VII nach Turin, als er aus Paris zurückkehrte, wo er am 2. Dezember des vorherigen Jahres an der Krönung von Kaiser Napoleon teilgenommen hatte; zu dieser Gelegenheit gab ihm der Kanoniker Celestino de Aste den wertvollen Kelch, der im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts von dem Turiner Silberschmied Ignazio Ravizza geschafft wurde. Als der inhaftierte Pontifex 1809 nach Cuneo kam, gab er den Kelch den Kanonikern der Stiftskirche von Santa Maria del Bosco, die, wie die Chroniken sagen, „es sich wünschten, die Ehre zu haben, die Päpstliche Messe mit allem Notwendigen auszustatten, aber wegen der Hindernisse gaben sie dem Papst einen Kelch, der ein Kelch des Trostes und Jubels sein sollte. Sie drückten dem Pontifex einen mehrfach säkularen Wunsch aus, nämlich dass Cuneo einen eigenen Bischof bekommt, wie andere auch kleinere Städte in Piemont. Pio VII nahm den Kelch dankend an und weil er auf seiner Reise nicht zwei Kelche bei sich haben konnte,  ließ er seinen Kelch, den er an jenem Nachmittag verwendet hatte, zurück, der fortan von den Kanonikern sorgfältig bewacht wurde. Jener Kelch, Erinnerungsstück des großen Pontifex, wurde in den Pontifikalmessen all unseren Bischöfe verwendet und ist ein wertvolles Erinnerungsstück für die Diözese“ (Aus „RAM- Repertorio di Antiche Memorie“ - Buch II - „Lo Stendardo“ 19. September 1919).

San Michele

Wer ist wie Gott? Dies kann die Tradition des Namen Michele sein. Hauptdarsteller des Buchs der Apokalypse ist der Erzengel, den Gott beauftragt, den Teufel zu bekämpfen. In der hebräischen und christlichen Anschauung wird nämlich das Böse personifiziert und hat nicht das gleiche Gewicht wie Gott, es gibt keine Gegenüberstellung zwischen dem Bösen und dem Guten als zwei gleiche und gegenteilige Kräfte. Gott ist der einzige, höchste und bedingungslose Gute. In der Erschaffung öffnet sich die Freiheit auch dem Bösen, d.h. der Ablehnung des Guten. Aber der Teufel (= der, der zerspaltet) ist dem Gott unterworfen, er ist ein Engel, der dem Gott nicht vertraute und den San Michele bekämpft, auf Gott als den einzigen Bezugspunkt und den einzigen Herrn zeigend. Als der neue Bischof 1809 nach Cuneo kam, war die Erinnerung an den örtlichen Heiligen (beginnend mit San Dalmazzo) zu schwach, um einen Schutzpatron zu ermitteln. Beim Lesen der ältesten Chronik der Gründung der Stadt wurde unterstrichen, dass die erste Urkunde in der Kapelle von Santa Maria del Bosco am Altar von San Michele geschrieben wurde und daher wurde es beschlossen, dem Erzengel den Schutz der neuen Diözese anzuvertrauen.

Die Geburt der Diözese

Der erste Versuch, Cuneo zu einer Diözese zu machen, geht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Für lange Zeit wurde das Gebiet von Cuneo der Gerichtsbarkeit von anderen Diözesen unterstellt: Asti, Mondovì, Fossano und Turin. 

1559, als Cuneo von Emanuele Filiberto den Titel Stadt erhielt, gab es neue Hoffnung, aber nicht für lange Zeit. 1783 wurde der Vorgang am Königshof offiziell eingeleitet. Am 1. Juni 1803 schrieb Napoleon die Abschaffung von vielen Diözesen und die Übertragung der Bischofswürde, des Kapitels und des Seminars von Mondovì nach Cuneo vor, weil es die Hauptstadt des Verwaltungsbezirkes Stura war. Der Aufenthalt von Pio VII in Cuneo am 11. und 12. August 1809 war entscheidend in diesem Ereignis. Mit dem Sturz Napoleons und der folgenden Restauration ging man in die entscheidende Phase. Am 25. November 1814 beauftragte die Stadtverwaltung zwei Patrizier, den Graf Pascal d’Illonza und den Marquis von Clavesana, mit der Gründung der Diözese. In Rom beschäftigte sich ein weiterer bekannter Mann aus Cuneo mit dem Vorgang: der Graf Clemente Solaro della Margarita. Mit Beschluss vom 1. Mai 1815 stellt die Stadtverwaltung einen seiner Bauernhöfe mit einem Einkommen von 4.000 Lire als Teil der Zuwendungen ab und beschließt, 30.000 Lire zu verwenden, um einen anständigen Bischofspalast zu kaufen. Am 17. Juni 1816 war König Vittorio Emanuele II bei einem Besuch in Cuneo im Palast des Bürgermeisters Grafes Angelo Ricci di Andonno einquartiert: bei dieser Gelegenheit wurden ihm die neue Anträge für die Bischofswürde gezeigt. Endlich wurde 1817 die Zuwendung von dem Prior der Kathedrale Giovanni Battista Giraudi vervollständigt und der Palazzo Tornaforte gekauft, der schon Sitz der Präfektur unter der französischen Regierung war und jetzt Sitz der Bischofskurie ist. Mit der Bulle Beati Petri Apostolorum Principis vom 17. Juli (auf die eine andere Bulle am 29. Oktober 1817 folgte) setzte Pio VII die subalpine Diözese fest und gründete aus dem Gebiet von der Diözese von Mondovì die neue Diözese von Cuneo. Bei ihrer Gründung hatte die neue Diözese etwa fünfzig Pfarreien (heute sind es 82). Der König ernannte Amedeo Bruno di Samone zum neuen Bischof. Am 23. Dezember 1826 billigte der Gemeinderat von Cuneo den Vorschlag von Bischof Amedeo, der Erzengel San Michele als Schutzpatron der Stadt Cuneo und der Diözese auswählte. Mit der gleichen Bulle wurde der Heilige Angelo Carletti als besonderer Schützer und Verteidiger der Stadt gewählt.

Porträt vom Monsignore Amedeo Bruno di Samone

Porträt vom Monsignore Amedeo Bruno di Samone, zweites viertel des 19. Jahrhunderts | öl auf leinwand

Geboren am 6. Januar 1754 in dem historischen Palast Samone in Via Amedeo Rossi, seine Eltern sind Graf Francesco Bernardino und Cristina Ricci d’Andonno. Er wurde in der Kirche Santa Maria della Pieve von seinem Onkel getauft, dem Kanoniker Giovanni Giacomo Bruno. In Turin erwarb er den Hochschulabschluss in Theologie, wo er am 19. Dezember 1785 zum Geistlichen geweiht wurde. Zunächst wurde er kanonischer Kantor der Chiesa Metropolitana und dann am 1. Oktober 1817  zum ersten Bischof von Cuneo gewählt und am 5. Oktober in der Chiesa dei Santi Apostoli in Rom von Kardinal Morozzo geweiht. Um zwei Uhr Nachmittag des 28. Dezembers erreichte er Cuneo, um die Diözese zu übernehmen. Er setzte die erste Synode der Diözese an und gründete sechs neue Pfarrkirchen, darunter Madonna dell’Olmo. Er starb am 21. Dezember 1838. 

Bischöfen

Das Wort, das wir als „Bischof“ übersetzen, bedeutet wörtlich „der, der von oben herabsieht“. Das heißt eine Person mit einem völligen Ausblick und einer Weisheit, die über Bevorzugung und Subjektivität hinausgeht. Das Bild des Guten Hirten ist die am häufigsten genutzte Assoziation verbunden mit den Verantwortlichen für christliche Gemeinschaften, die nicht nur „Kommandanten“ sind, sondern im Dienste des Glaubens der Gemeinde stehen. Im Evangelium ruft Jesus viele Personen auf, ihm zu folgen und einigen seiner engsten Mitarbeiter (die Apostel oder „Beauftragten“) vertraut er das Predigen und die Zeichen von seinem Aufenthalt in der Geschichte (das Wort und die Sakramente) an. Sie ihrerseits stellen sich andere Personen zur Seite und überliefern den gleichen Dienst an die Gemeinschaften.. Diese Gemeinschaften strukturieren und organisieren sich nach und nach in Diözesen. Der Auftrag die frohe Botschaft zu verkünden, wird seit dem Ursprung durch die Chrisam Salbung und die Gabe des Geistes von einem Apostel an seinen Nachfolger (Bischof)  vergeben (deshalb spricht man über eine ununterbrochene Kette von apostolischen Nachfolgen). Der Bischof ist also der höchste Ausdruck des Dienstes und kann seine örtliche Kirche organisieren und die Verantwortlichen für die verschiedene Gebietsgemeinschaften (die Pfarrkirchen) in den drei wichtigsten Rängen wirksam anordnen: Diakone, Geistliche und Bischöfe. Wenn dies nicht in Übereinstimmung mit anderen Bischöfen (und für die Katholiken mit dem Papst) geschieht, kommt es zu einem Schisma (das heißt „Bruch“, aber ohne die Möglichkeit die Wirksamkeit bereits angeordneter Weisungen eines Bischofs zu bemängeln).  Der Papst ist der Bischof von Rom und der Nachfolger des Heiligen Petrus. Die Katholiken sehen in ihm die Quelle der Einheit aller Kirchen,  während  andere christliche Konfessionen (orthodox und anglikanisch) zwar die gleiche Gebietsgliederung haben, aber andere Art und Weise einen Dialog wie z.B. eine Synode zu halten. Ein Bischof von einem sehr alten oder renommierten Sitz kann den Titel Erzbischof hinzufügen oder an dem Kardinalkollegium (der Gruppe, die den Papst wählt) teilnehmen, aber hauptsächlich behält er immer seine Rolle als Apostel bei, egal ob er Bischof einer großen Metropole ist oder in einer kleinen Diözese einer Provinz. 1817 wurde mit der Gründung der Diözese von Cuneo dieses Gebiet mit einem eigenen Bischof ausgestattet. Bis dahin war unser Gebiet in verschiedenen Diözesen unterteilt: Asti, Torino, Fossano und Mondovì. Monsignore Giuseppe Cavallotto ist der vierzehnte Bischof von Cuneo.