Barocke Kunst war ein bedeutendes INSTRUMENT während der Reform des Christentums, die über zwei Jahrhunderte andauerte. Die Entwicklung von neuen Formen der Hingabe brachte beeindruckende religiöse Kunstgegenstände mit sich, die sich mit der Vergänglichkeit beschäftigten und heute als angewandte Kunst bezeichnet werden.
Von der Kathedrale zur bescheidenen Kapelle, an jedem Ort der Andacht ist eine große Anzahl an bemerkenswerten Kunstgegenständen und Gemälden zu finden, die in großer Zahl reproduziert, aber nie in Serie angefertigt wurden. Unzählige Altarleuchter, strahlende Kronen, dekorative Kränze, dutzende Meter feinster Stoffe, Statuen und andere Objekte mit Bezug auf Orte und Geschehnisse aus der Bibel, die zum Teil nur wenige Tage im Jahr bei bestimmten Gottesdiensten, Feierlichkeiten oder Prozessionen sichtbar sind. Es sind nie rein ästhetische, sondern funktionale Objekte, die oft bedeutungslos erscheinen, wenn sie aus ihrem Kontext gerissen werden... Die geschickten Hände von Generationen an Kirchendienern haben sie seit Jahrhunderten gehandhabt und gemeinsam mit Stickereien, Kerzen und Weihrauch eine atemberaubende Atmosphäre für die Begegnung mit Gott geschaffen. Die gleichen Hände haben sie über Jahrhunderte bewahrt, sie sicher gelagert, sich um die "Wunden" der Zeit gekümmert und somit den Verlust dieser außergewöhnlichen Objekte vermieden... Doch dann führten missverstandener Pauperismus, die reformierte Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils, die Krise von religiösen und weltlichen Institutionen, die Reduzierung von spezialisiertem Personal, der wirtschaftliche Aufschwung und viele andere äußere Umstände, zu der Gefahr des Verlusts dieser im Laufe der Jahrhunderte angesammelten bemerkenswerten Werke. Diese Gefahr konnte schließlich durch eine erneute Sensibilität der christlichen Gemeinschaften und die Erstellung von EDV-Beständen zum Schutz des kulturellen Erbes abgewendet werden.
Die ganze Liturgie ist darauf ausgerichtet, den Menschen in die Begegnung mit dem Göttlichen zu verwickeln, ausgehend von den fünf Sinnen: Geschmack, Tastsinn, Sicht, Gehör und Geruchssinn werden in jedem Gottesdienst angesprochen. In dieser Hinsicht werden auch die Prozessionen eine Musterkollektion von außergewöhnlichem Inhalt, ein Triumph von Lichtern, Klängen, Geschmäcken und Farben: man läutet Glocken und Instrumente, man zeigt Kerzenhalter, Paramente, Blumen, Statuen, Gemälde, man verbrennt Weihrauch, man streut Blumen, man schmückt Häuser und Straßen mit farbigen Stoffen… Die Heiligen, die auf reichen Gemälden gezeigt werden und die Gläubiger jedem Alters und Standes, mit typischen Schildern, Geschenken, Kostümen und Uniformen nehmen teilen. Und auch die Tote sind anwesend (mit den Porträts der verschiedenen Wohltäter, die an den Prozessionswegen aufgehängt sind). Viele heilige Gegenstände wurden besonders für solche Momente geschafft (Orgeln, Banner, Schilder, Statuen, Maschinen für ihre Beförderung, Reliquiare) und in Straßen und Plätzen gibt es für wenige Stunden großartige Monumente (Triumphbögen, Altäre und Kapellen, Paramente für Fenster und Balkons). Auch wenn die Dauer begrenzt ist (sie werden auch „vergänglicher“ Schmuck genannt, nämlich Dinge die nur für wenige Tage im Jahr verwendet werden), ist die Qualität der Prozessionsgegenstände alles andere als schmucklos: Silber, Gold, Intarsien und verzierte Hölzer, Leinwände, Seiden, Brokate, Leinen und hochwertige Garne werden der Fähigkeit von tüchtigen Handwerkern und Künstlern anvertraut und ihre „choreographische“ Aufstellung wird oft von wahren Meistern geplant (in Rom werden die Prozessionswege innerhalb und außerhalb der Kirchen zum Beispiel Bernini und Borromini anvertraut). Das Innere der Kirchen wechselt dynamisch nach den verschiedenen Feiern: Teppiche, Baldachine, Vorhänge mit verschiedenen Formen und Farben, Kerzenhalter und Paramente erfordern viele Arbeitsstunden für ihre Aufstellung und viele Meter von Kranzgesimsen, Blendsäulen und Altären werden rot, weiß und silber verkleidet… Während der Totenmesse werden die Kirchen durch schwarzen Tücher bedeckt und Katafalke eingebaut, reiche und komplexe flüchtige Monumente (auch mehrere Meter hoch), wo eine funkelnde makabre Symbolik oft den Glauben an die Auferstehung und das christliche Mitleid für die Toten preist. Als die barocke Phantasie ausbricht, erfindet man Maschinen für das Erheben von Statuen und Figuren (mit komplizierten Mechanismen, Flaschenzügen und Winden), sowie auch Maschinen für das Senken von Baldachinen, Kronleuchtern und Tüchern. Bis zum nächsten Gedenktag wird der „vergängliche Schmuck“ mit Sorgfalt gelagert und durch Plaketten und Hinweise gekennzeichnet, um sie wiederzufinden, sie werden regelmäßig und mit Wirksamkeit von Generationen von Kirchendienern, Zuständigen und Freiwilligen gepflegt, die uns somit eine reiche Welt von Gegenständen überliefert haben, die wir heute wieder entdecken können.

