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Saal des Heiligen Jakob

Die WALLFAHRT ist eine echte PRÜFUNG, eine seit der Antike bevorzugte Praxis des christlichen Lebens. In der mittelalterlichen Welt waren Pilger und Wallfahrten eine echte Quelle des geistigen und kulturellen REICHTUMS.

Seit Jahrhunderten begeben sich Christen auf Reise in das Heilige Land, um dort zu sein, wo Christus lebte, oder an Wallfahrtsorte wie Gräber oder die Reliquien der Apostel und Märtyrer. Mit der Ausbreitung von Religion in Europa, entwickeln sich auch die großen Pilgerwege nach Santiago de Compostela, Rom und zum Heiligen Grab. Nach und nach werden auch lokale Heiligtümer, Orte von Wundern oder Begegnungen mit der Heiligen Jungfrau zu Zielen von Wallfahrten. Seit 1300 führen die Jubeljahre oder Erlassjahre erneut zu Massenwallfahrten, die über regionale oder nationale Grenzen hinweg führen. Dieses Bedürfnis steigt Mitte des neunzehnten Jahrhunderts noch weiter an (Lourdes, Assisi, Loreto ...). Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat die Kirche die Gläubigen aufgerufen, sich "auf den Weg" zu machen. Eine Formulierung die nicht nur für die Wallfahrt, sondern auch für die spirituelle, geistige Suche nach dem Glauben verwendet wird und noch heute aktuell ist. 

Sankt Jakob "der Ältere" (um ihn von dem Apostel Jakobus Alphäus zu unterscheiden) war ein Sohn von Johannes, dem Fischer Zebedäus. Es war einer der erstberufenen Jünger von Jesus und erlebte viele der bedeutendsten Ereignisse des Lebens Christi mit, wie die Verklärung und die Nacht in Getsemani. Nach dem Tod und der Auferstehung Christi nahm Jakob eine führende Rolle in der christlichen Gemeinschaft von Jerusalem ein. Einer Überlieferung von Isidor di Sevilla zu Folge ging Jakob nach Spanien, um das Evangelium zu verbreiten. Jakob wurde als erster Apostel zum Märtyrer im Frühjahr 42. Nach dem Abtrennen des Kopfes, so die Goldene Legende, stahlen seine Jünger den Körper und brachten ihn auf wundersame Weise an die Küste von Galizien. An seinem Grab, entdeckt an einem Ort namens "Campus Stellae" (Compostela), folgten einige wundersame Ereignisse, wie beispielsweise seine Erscheinung an der Spitze der christlichen Truppen der Reconquista (840), bei der er so viel maurisches Blut vergossen haben soll, dass es ihm den Beinamen "Matamoros" (Maurentöter) einbrachte. Bereits im zehnten Jahrhundert begann das christliche Europa mit Wallfahrten nach Santiago de Compostela, was im Jahr 1075 zu dem Bau der prächtigen Basilika führte, die dem Heiligen Jakob gewidmet ist. Die Pilgerfahrt nach Santiago wurde zu einer der wichtigsten des mittelalterlichen Christentums, zusammen mit der nach Jerusalem und Rom. In Cuneo ist eine dem Heiligen Sankt Jakob gewidmete Kirche seit dem XIII Jahrhundert dokumentiert, als ein Ort an dem öffentliche Funktionen zelebriert wurden (1240, 1248) und als Niederlassung von San Dalmazzo di Pedona (1246); dieser gab einem der Bezirke der Stadt seinen Namen (auf der Seite von Gesso, Richtung Ortschaft). Entlang der "Ruata bovisii" (heute ein Stadtteil von Mondoví) gab es dann ein Heim, dazu bestimmt, Pilger aufzunehmen. Im fünfzehnten Jahrhundert wurde die Kapelle unter dem Namen des Sankt Jakobus und Sankt Sebastian erneuert.

Der Heilige Sankt Jakob

Bottega dei Botta, San Giacomo maggiore. Inizio XVIII secolo. CASTELMAGNO.

Sankt Jakob wird in der Regel in der Kleidung eines Pilgers dargestellt (obwohl er es nie gewesen ist) mit einem Stock und einem Kürbis als Flasche, einer Mütze und einer Muschel als Symbol für diejenigen, die nach Santiago gingen. In einigen Fällen wird diesen Attributen noch das Buch, wie bei den anderen Aposteln, beigefügt, als Zeichen seines direkten Zeugnis des Wort Gottes. Er wird am 25. Juli gefeiert.

Das Apostolat

Apostolat im piemontesischen Bereich (erste Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts), Öl auf Leinwand

Die hier ausgestellten Bilder waren Teil eines Apostolates; von Mitte des siebzehnten Jahrhunderts an gab es viele Kirchen, die sich mit Zyklen dieser Art versorgten. In Cuneo unterschieden sich die beiden Hauptbruderschaften einmal mehr: Santa Croce, mit fünfzehn im Jahr 1645 erworbenen Gemälden und Sankt Sebastian, das sich sogar mit zwei Serien dieser Gemälde rühmte. 1650 erhält die Bruderschaft "fünfzehn Apostolli [sic] in ihren vergoldeten Rahmen von dem Herrn Clement Perlasco von Mondovì" und ein paar Jahre später kam eine weitere Serie dazu: die Inventur von 1673 in Sankt Sebastian belegt in der Tat "zwei Apostolate, das von Rom mit profilierten Walnussrahmen n. 14 und das andere des Bruno mit neuen vergoldeten Rahmen n. 16. ". Die Stilanalyse und die Ergebnisse der Restauration lassen Rückschlüsse zu, dass die Gemälde im Laufe der Zeit eine bewegte Geschichte hinter sich haben. Sie wurden neu gemalt und neu aufgezogen und viele gingen verloren, auch wenn Monsieur Riberi im Jahre 1933 immer noch zwölf im Chor und drei in der Sakristei zählt. Von den dreißig Originalgemälden sind heute nur fünf erhalten, die hier ausgestellt sind: St. Bartholomäus, St. Jakob der Ältere, St. Judas Thaddäus, St. Thomas und St. Andreas; die letzten drei wurden durch Zufall während der Arbeiten zur Wiederherstellung des Komplexes entdeckt. Es ist möglich, dass es sich hier um die Zusammenführung der bewahrten Gemälde aus beiden Apostolaten handelt, da sie zu verschiedenen Bereichen zu gehören scheinen. St. Bartholomäus, St. Thomas und St. Judas Thaddäus lassen sich einem piemontesischen Maler zuweisen, der in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts sein Wirken hatte, basierend auf den Erkenntnissen der römischen Malerei Anfang des Jahrhunderts. In einem eher lokalen Kontext stehen St. Jakob der Ältere und St. Andrea, doch auch sie folgen höheren Modellen (auch in diesem Fall in der Form von Caravaggio), von denen sie die perspektivischen Verkürzungen und den Sinn für Details übernehmen.

Das Apostolat

Nach dem Konzil von Trient (1545-1563) erwarben viele Kirchen Apostolate, beziehungsweise Abbildungen von Christus und den zwölf Aposteln, in manchen Fällen begleitet durch Maria, St. Paulus oder den anderen Evangelisten. In Polemik mit der protestantischen Reformation hatte das Konzil nachdrücklich die "apostolische Nachfolge" betont, also die direkte Kontinuität (technisch "Weihe " durch die Anrufung des Heiligen Geistes und die Salbung) von Aposteln und Bischöfen. Darstellungen der Apostel in Kirchen auszustellen, bedeutet also die Rolle der Bischöfe als wahre Nachfolger derer zu bekräftigen, die Christus selbst ernannt hatte. Die Bischöfe ihrerseits verpflichteten sich, entsprechend einer Direktive des Konzils, dauerhaft in ihren Gemeinden zu residieren, Priester zu unterrichten und ihnen regelmäßig bei den so genannten "Pastoralbesuchen" zu begegnen. 

Prozessionsfahne

Prozessionsfahne im Bereich Cuneo, siebzehntes Jahrhundert, Öl auf Leinwand; Posamente, geschnitztes, bemaltes, vergoldetes Holz

Das Tuch ist von regelmäßiger, rechteckiger Form, verziert mit gemalten oder gestickten Darstellungen und Inschriften, horizontal angebracht an einem Holzstab und mit einer oder mehreren Stangen fixiert. Es wird von Mitgliedern einer Bruderschaft, einer Kongregation oder einer Gemeinde in einer Prozession getragen. Um die Benutzung zu erleichtern, ist die Fahne üblicherweise mit Holzstangen versehen, die es erlauben, sie bei der Prozession zu tragen. Meist wird sie durch Fransen und Verzierungen aus Seide oder Metallfäden gesäumt.

Die Inventur der Bruderschaften dokumentiert im Verlauf der Jahrhunderte das Vorhandensein zahlreicher Prozessionsfahnen, bis hin zu sechs Stück an der Zahl zur gleichen Zeit. Bereits im siebzehnten Jahrhundert ist ein Banner mit einer Darstellung der Madonna del Carmine und dem Heiligen Sebastian sowie den Seelen im Fegefeuer dokumentiert. Der häufige Einsatz dieser Banner (für die Prozessionen, die jeden vierten Sonntag des Monats abgehalten wurden) verursachten natürlich Gebrauchsspuren, so dass im November 1726 der Maler Pietro Paolo Indio für eine Restaurierung herangezogen wurde. Es ist möglich, dass das hier vorliegende Werk das Resultat einer dieser Aufarbeitungen ist. Der Künstler, vielleicht ein Mitglied der Bruderschaft, wurde in den folgenden Jahren (1743) auch dazugerufen, das Altarbild von Molineri "zu flicken und zu reinigen". Das ausgestellte Banner zeigt den Inbegriff aller Andacht, die innerhalb der Bruderschaft aufeinanderfolgten, wo heute das Diözesanmuseum zu finden ist: auf der einen Seite St. Jakobus und St. Sebastian zu Füßen des gekreuzigten Jesus, auf der anderen Seite die Madonna del Carmine mit den Seelen im Fegefeuer. Bis 2011 wurde das Banner für die feierlichen Prozessionen der Madonna del Carmine (16. Juli) verwendet, um dann in einer aufwändigen Restauration wieder lesbar gemacht zu werden.

Die Pilgerfahrten

Armenhaus der Dreifaltigkeit, XV secolo. VALGRANA.

In vielen Kulturen und Traditionen gilt die Reise sicherlich als eine leistungsfähige Metapher für das Leben: vom Mythos des Odysseus bis hin zur Grand Tour der vergangenen Jahrhunderte haben ganze Generationen durch die Reise einen Weg zur Selbsterkenntnis, zum Sinn des Daseins und zur Suche nach Wissen und Wahrheit gefunden. Für den (nicht nur christlich) Gläubigen wird diese Metapher noch besser durch die Pilgerfahrt symbolisiert, die nicht nur eine allgemeine Suche ist, sondern von Beginn an ein genaues und bedeutungsvolles Ziel hat, wo der Wallfahrtsort und der Ort eines Wunders oder eines Heiligen zu einem Sinnbild des endgültigen Zusammentreffens mit dem Transzendenten im Jenseits werden. Der christliche Glaube sieht die Wallfahrt schon seit Zeiten des Alten Testaments als eine Reise auf der Suche nach Gott an: vom Pilgern des Abraham bis zu dem von Moses und seinem Volk in das gelobte Land. Seit alter Zeit, und noch viel mehr mit der endgültigen Bestätigung des Christentums im Westen, sieht die Kirche die Notwendigkeit, sich "auf den Weg zu machen" in Richtung des Gelobten Landes, das das Leben Christi dokumentiert und in Richtung der Orte, die Zeugnisse des Glaubens sind wie die Gräber der Märtyrer und der Apostel. Mit der Festigung der Religion in Europa entwickeln sich die großen Pilgerrouten nach Santiago de Compostela, Rom und auch unter großen Schwierigkeiten zum Heiligen Grab. Nach und nach werden auch lokale Heiligtümer, Orte der Wunder oder Erscheinungen rund um den Marien- und Heiligenkult zu Zielen von Wallfahrten. Von 1300 an markiert auch das Erlassjahr für die gesamte katholische Welt eine Notwendigkeit zur Massenpilgerung, unabhängig von regionalen oder nationalen Grenzen. Erneuten Zuwachs erfahren sie von der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts an (Lourdes, Assisi, Loreto). Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat die Kirche ihre Aufgabe wiederentdeckt, Menschen "auf den Weg" zu bringen und diese Formulierung findet sich auch für viele virtuelle (spirituelle, katechetische etc.) Pfade. 

Ex Voto

Ex voto sind Gegenstände, die als Gabe an eine Gottheit aufgrund eines Gelübdes dargebracht werden, vor allem für eine Heilung oder das Erhören einer Bitte. Die Praxis ist in vielen Religionen gemein, doch hatte sie in der christlichen Welt eine besondere Blüte in Bezug auf die Wallfahrtsorte; in den meisten Fällen sind die Wände dieser Orte mit metallenen Gegenständen versehen, die die geheilten Körperteile darstellen, Herzen aus Silber oder kleine Gemälde auf schmucklosen Materialien, die Alltagsgeschichten und Danksagungen für eine empfangene Gnade. In der Gegend von Cuneo gibt es viele Verweise auf das tägliche Leben auf dem Land, die Viehzucht und die Landbewirtschaftung, jedoch fehlen auch die Hinweise auf die großen Kriege in der Welt nicht.