So wie die Diözese von 1817 den Endpunkt einer Tausendjährigen Reise des Glaubens und der Hingabe von Cuneo und Umgebung darstellt, so zieht das Museum einen roten Faden durch die kulturelle und künstlerische Berufung seines Territoriums.
Ein Grenzgebiet, das in der Lage war, über Jahrhunderte bedeutende Glaubenszentren und alte Klöster entlang von Wallfahrts- und Handelsstraßen zu unterstützen und zu erweitern und dabei Kriegen, Hungersnöten und Seuchen zu trotzen. Dank unermesslicher Hingabe wurden Schreine, Kapellen und Empfangsorte für Pilger errichtet, die oft wahre Schatzkisten an Kunst darstellen und den Glauben der Gemeinde unterstützen. Prozessionen und die Geburtsstunde der Bruderschaften sind Zeugnisse der christlichen Botschaft und fundamentale Dreh- und Angelpunkte der Gesellschaft im Laufe der Jahrhunderte, deren Bedeutung noch heute unverändert ist. Das Diözesanmuseum verfolgt das Ziel, das Wissen über die Stadt und das Tal am Leben zu halten, sowie die Kunst und deren Botschaft zu bewahren.
Der immerwährende Wunsch der cunesischen Bevölkerung nach einem eigenen Bischof hat bereits in der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts dazu geführt, dass der Pfarrer von Santa Maria della Pieve um ein eigenes Bistum ersuchte, gegen das sich aber die Diözese von Mondovì, unter deren Gerichtsbarkeit die Stadt Cuneo, die Täler Gesso und Vermenagna fielen, auflehnte. Etwa zwei Jahrhunderte später unternahm die Stadtverwaltung mit einem formellen Antrag an den Papst und den Herzog von Savoyen einen neuen Versuch, an den Bischofsstuhl zu gelangen: auch in diesem Fall scheiterten die Verhandlungen an Schwierigkeiten aus Rom und der strikten Weigerung Turins und gerieten endgültig 1667 ins Stocken. Trotz einer Reihe weiterer Versuche musste bis zum 17. Juli 1817 gewartet werden, als in der von Papst Pius VII ausgestellten Bulle “Beati Petri Apostolorum Principis”, die Grenzen der subalpinen Diözesen neu definiert wurden und darin nun endlich auch die Diözese von Cuneo eingerichtet wurde. Innerhalb dieser neu gegründeten Diözese befand sich der weite und verschiedenartige Bereich der cunesischen Täler, der aber eine kulturelle Einheit darstellt und bis dato aufgeteilt war zwischen den Diözesen von Turin, Mondovì und Fossano. Die neue Diözese religiös und kulturell beschreiben zu wollen, bedeutet, ihren Werdegang von den ältesten kirchlichen Spuren in der Region nachzuvollziehen, so wie der Abtei Pedona, die strategisch günstig am Eingang der Alpentäler liegt und Symbol der großen mittelalterlichen Klöster ist, die in einem ewigen Spiel aus Allianzen und Konflikten mit den lokalen Gemeinden verbunden sind. Die klösterliche Präsenz ist schon ab dem XII Jahrhundert ein Schwerpunkt der Religiösität in den Tälern und führt damit zu einer bedeutenden städtischen Präsenz innerhalb Cuneos bishin zur napoleonischen Zeit. Neben den großen Klöstern und Wallfahrtsorten wie Sant’Anna di Vinadio und Castelmagno, wahre Symbole der Hingabe, zusätzlich zu den zahlreichen Kirchengemeinden, wurde das Phänomen der Bruderschaften immer beliebter, die einen wichtigen Anteil nahmen an der Gestaltung der nicht nur religiösen Identitäten der einzelnen Kommunen. Ein lebendiger Nachweis dessen wird mit dem Diözesansmuseum gezeigt, das eines der wichtigsten Erbe der Stadt Cuneo, nämlich Sankt Sebastian, beheimatet. Der Eifer der Gegenreformation, zwischen dem sechzehnten und siebzehnten sowie zu guten Teilen des achtzehnten Jahrhunderts, war der Ausgangspunkt für eine Rekonstruktion der Kirchengebäude (Kirchen, Kapellen, Schreine), die zu den wertvollen barocken Errungenschaften führten, die noch heute zu bewundern sind und für die sich Künstler und Handwerker in den Städten und Dörfern zusammentaten. Der Wunsch der vergangenen Jahre, die oft im Verborgenen gehaltenen Kunstschätze auch der kleinsten Orte der cunesischen Täler zu offenbaren, führte zu einem Netzwerk, mit dessen Hilfe nicht nur die Kirchengebäude, oft reich an Fresken, Skulpturen und Gemälden, entdeckt werden können, sondern auch die in den Sakristeien verwahrten Schätze, die unbedingt zu einem Besuch der heiligen Gebäude dazugehören. Die Route führt durch die wichtigsten Zentren der Täler Grana, Gesso, Stura und Vermenagna, und erreicht ihren Höhepunkt in der Stadt sowie in den Ebenen von Castelletto Stura und Montanera. Auf diese Weise entsteht ein ständiger Dialog zwischen dem Museum und den zahlreichen Diözesen, durch den es möglich wird, die Entwicklung der Künstler und Handwerker nachzuvollziehen. Mit Kunst, Kultur und Devotionalien prägten sie seit Jahrhunderten das Gebiet der Diözese bis hin zu dem heutigen Museum.

Privatsammlungen
Jedes sakrale Kunstobjekt hat nicht nur eine rein ästhetische Rolle, sondern dient einem ganz konkreten "Nutzen": Ein Objekt wird für den Altar geschaffen, für das Gebet, für das Sakrament, für eine Prozession. Wird ein sakrales Kunstobjekt also in diesem Sinne seinem Kontext entzogen, leidet seine Bedeutung. Eine falsch verstandene Erneuerung und Verarmung der Kirche, die reformierte Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Niedergang und die Krise religiöser und weltlicher Institutionen, der Überschuss an Objekten, die Reduzierung des "spezialisierten" Personals (Küster), der wirtschaftliche Aufschwung und tausend andere Gründe haben zu der Gefahr einer unkontrollierten Zerstreuung der im Laufe der Jahrhunderte angesammelten Schätze geführt. Der Kunstantiquitätenmarkt hat auf diesen Trend nicht immer mit einer profitorientierten Logik reagiert, sondern versucht, das zusammenzusetzen (in Sammlungen), was andere verteilt haben. Eine erneuerte Sensibilität der christlichen Gemeinden, eine Erstellung von elektronischen Inventarlisten, die Aufforderung durch die verantwortlichen Aufsichtsbehörden zur Wahrung des kulturellen Erbes haben schließlich dazu geführt, dieser unerfreulichen Situation Abhilfe zu schaffen. Sammler haben sich bereit erklärt, sakrale Objekte wieder ihrem ursprünglichen Kontext zu übergeben. In diesem Sinne haben die Familien Fulcheri und Peano, zusammen mit anderen privaten Spendern, aktiv beigetragen, in dem sie Teile ihrer privaten Sammlungen an das Museum übergeben haben.
Der Kreuzweg

- Angelo Giacobi detto il Pastore. Via Crucis | Gesù Cristo trasportato al sepolcro, 1875-1876, olio su tela. CUNEO, Chiesa di San Sebastiano
Der Kreuzweg, auch bekannt als Via Dolorosa, ist eine echte Form des spirituellen Weges, der zurückgeht auf Szenen in den Evangelien und Überlieferungen (die Passionsgeschichte), bezogen auf eindeutige "physische" Orte (der Weg Christi in Jerusalem zum Kalvarienberg), auf Episoden stilisiert (die einzelnen Stationen), in kanonischer Form angeordnet und in jeder Gemeinde zur Andacht der Gläubigen wiedergegeben. Die Tagebücher der Pilger im Heiligen Land berichten schon seit den ersten Jahrhunderten von der Sitte, an den wichtigsten Orten aus dem Leben Jesu zu beten. Das hohe Aufkommen an Wallfahrern und großen Predigten der neuen Orden (Franziskaner, Dominikaner, Karmeliter) führen auch in Europa zu dem Wunsch, auch zu Hause den gleichen Weg nachvollziehen zu können und dabei in irgendeiner Weise auch visuell die gleichen Eindrücke haben zu können. Das war die Geburtsstunde der Heiligendarstellungen, musikalisch und lebensecht inszeniert oder mit Hilfe von Bildern oder Skulpturen wiedergegebene Szenen (die Klagelieder, die Heiligen Berge). So entstanden auch Wege des Gebetes, wie der der "Mysterien des Rosenkranzes" und eben auch der Kreuzweg, der in dem Franziskaner Sankt Leonhard von Porto Maurizio seinen größten Fürsprecher fand. Im Jahre 1741 definierte Papst Benedikt XIV seine kanonische Form in einem echten Weg, unterteilt in 14 Stationen mit den gleichen Ablässen der Pilgerfahrten im Heiligen Land.

